Der Durst der Welt
Warum das Wasser verschwindet, wie unsere Welt in fünfundzwanzig Jahren aussieht, wenn wir jetzt nichts tun – und warum uns kein Zaun der Welt aus dieser Geschichte heraushält
Fangen wir harmlos an. Mit einem Urlaub.
Man steht morgens im Hotelbad, irgendwo am Mittelmeer, und die Dusche tröpfelt. Nicht kaputt, nur schwach. An der Wand hängt ein laminiertes Schild: „Liebe Gäste, bitte helfen Sie uns, Wasser zu sparen.“ Daneben die Bitte, Handtücher mehrmals zu benutzen. Unten am Pool wird trotzdem gewässert, gewischt und nachgefüllt, denn der Pool ist auf den Buchungsfotos das wichtigste Bild.
Man denkt sich: charmant, die sparen hier. Und duscht weiter.
Was auf dem Schild nicht steht: Auf Santorin hat sich der Wasserverbrauch seit 2020 ungefähr verdoppelt. Auf Naxos trocknete der größte Stausee der Insel einen Sommer lang vollständig aus, und in Griechenland wird inzwischen ernsthaft geregelt, wie Hotels Meerwasser in ihre Pools pumpen dürfen, damit das Trinkwasser für die Menschen reicht. In der Gemeinde neben dem Hotel kommt das Wasser seit Wochen nur noch stundenweise aus der Leitung, die Bauern der Region haben ihre Bewässerungsrechte gekürzt bekommen, und der Speichersee in den Bergen ist so leer, dass man am Ufer die alten Straßen wiedersieht, die beim Bau geflutet wurden.
Das Schild im Hotelbad ist also keine Marotte des Hausmeisters, sondern die freundlichste Form, in der uns eine globale Krise begegnet – gewissermaßen ihre Urlaubsversion, mit Poolblick.
Ich habe vor einiger Zeit darüber geschrieben, wie das Wasser unter Deutschland verschwindet. Zentimeter für Zentimeter, gemessen in Brunnen, bestätigt von Satelliten: Nach einer Auswertung des GeoForschungsZentrums Potsdam hat Deutschland zwischen 2002 und 2022 im Schnitt rund 760 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr aus seinen Speichern verloren. Das ist viel. Und es ist, im weltweiten Vergleich, beinahe noch die gute Nachricht.
Heute ziehe ich die Kamera auf, weg vom bayerischen Dorfbrunnen, hinaus auf den Planeten. Und dann, das ist mir diesmal besonders wichtig, nach vorn: Ich möchte zeigen, wie diese Welt in fünfundzwanzig Jahren aussieht, wenn wir weitermachen wie bisher. Nicht als düstere Fantasie, sondern als Hochrechnung aus Daten, die längst auf dem Tisch liegen. Ich sage es gleich: Es wird nicht gemütlicher.
Ein Viertel der Menschheit lebt am Limit
Folgender Absatz wäre einen oder auch mehrere Beiträge wert. Es geht auch hier um Wasser, aber auch um Fluchtursachen.
Das World Resources Institute pflegt seit Jahren einen Wasser-Atlas, der misst, wie stark Länder ihre verfügbaren Wasserressourcen ausschöpfen. Die aktuelle Auswertung kommt zu einem Ergebnis, das man zweimal lesen muss: 25 Länder, in denen zusammen ein Viertel der Weltbevölkerung lebt, stehen unter „extrem hohem Wasserstress“. Sie verbrauchen Jahr für Jahr mindestens achtzig Prozent ihres verfügbaren Wassers, viele nahezu alles. Es gibt keinen Puffer mehr. Ein einziges trockenes Jahr genügt, und das System kippt.

Rund vier Milliarden Menschen, die Hälfte der Menschheit, erleben außerdem mindestens einen Monat im Jahr, in dem das Wasser ernsthaft knapp wird.
Die Liste der am stärksten betroffenen Länder liest sich wie eine Landkarte der Krisenherde: Bahrain, Kuwait, Katar, Oman, die Emirate, Saudi-Arabien, Israel, Libanon, Jordanien, Libyen, Iran, Pakistan, Indien. Der Nahe Osten und Nordafrika stellen den größten Block, Indien steht „nur“ auf Platz dreizehn, hat aber mehr Einwohner als alle anderen Länder dieser Kategorie zusammen.
Man kann diese Liste nüchtern zur Kenntnis nehmen. Oder man legt gedanklich eine zweite Karte darüber, die Karte der Bürgerkriege, der Unruhen, der Fluchtbewegungen – und stellt fest, dass sich die beiden Karten an erschreckend vielen Stellen decken. Das ist kein Zufall, und wir kommen gleich darauf zurück.

Wohin das Wasser verschwindet
Zuerst aber die nüchterne Frage: Wo geht es eigentlich hin?
Etwa 70 Prozent des weltweit entnommenen Süßwassers fließen in die Landwirtschaft, nicht ins Badezimmer, sondern auf die Felder. Das ist zunächst weder skandalös noch vermeidbar, denn wir alle müssen essen. Skandalös wird es dort, wo fossiles Grundwasser, das sich über Jahrhunderte gebildet hat, für Pflanzen verpumpt wird, die in die Region schlicht nicht gehören: Luzerne in der saudischen Wüste, Avocados in Chiles Trockentälern, Baumwolle in Zentralasien, wo dafür der Aralsee praktisch verschwunden ist. Von einem der größten Binnenseen der Erde ist eine Salzwüste übrig, in der rostige Fischkutter im Sand liegen. Das lässt sich heute besichtigen, mit Reisebus und Fotostopp.
Der zweite große Wasserfresser ist unspektakulärer und fast noch bitterer: das Loch im Rohr.
Italien verliert nach Angaben der eigenen Statistikbehörde rund 42 Prozent seines eingespeisten Trinkwassers in den Netzen, etwa 3,4 Milliarden Kubikmeter im Jahr. Diese Menge hätte rechnerisch für über 43 Millionen Menschen gereicht – ein ganzes Land in Sichtweite, das Tag für Tag ungenutzt in den Boden zurückrinnt. Und Italien ist weltweit kein Ausreißer, eher Mittelfeld. Mexiko-Stadt, eine Metropole mit über zwanzig Millionen Menschen, die auf ihrem leergepumpten Grundwasserleiter real um Zentimeter pro Jahr absackt, verliert rund 40 Prozent durch marode Leitungen. In Lagos, Karatschi oder Neu-Delhi versickern ähnliche Größenordnungen, teils durch Lecks, teils durch illegale Anzapfungen, die wiederum entstehen, weil die offizielle Versorgung nicht funktioniert.
Man muss sich das einmal in Ruhe klarmachen: Während Menschen stundenlang für Wasser anstehen und Familien einen erheblichen Teil ihres Einkommens für Kanisterwasser ausgeben, läuft in denselben Städten fast die Hälfte des aufbereiteten Wassers ungenutzt in den Boden.
Wasserknappheit ist eben nie nur eine Frage des Regens. Sie ist auch eine Frage der Rohre, der Investitionen und der Verwaltung. Und das ist, so zynisch es klingen mag, sogar eine Hoffnung: Regen können wir nicht anordnen. Rohre kann man reparieren.
Der Sommer, in dem der Ernstfall bei uns ankam
Bevor wir in die Zukunft schauen, ein Blick aus dem Fenster, Stand Juli 2026.
In Frankreich gelten in diesen Tagen in 95 von 96 Festland-Départements Beschränkungen für die Wassernutzung; einzig Haute-Corse blieb bislang verschont. Vorausgegangen war der wärmste Frühling seit Beginn der Aufzeichnungen, 1,7 Grad über den Normalwerten, mit rund dreißig Prozent weniger Regen, gefolgt von einer Rekordhitzewelle im Juni. Mehr als drei Viertel der überwachten Grundwasserpegel fallen. Ganze Gemeinden wurden zeitweise aus Tankwagen versorgt, auf griechischen Inseln gingen in aller Eile Entsalzungsanlagen ans Netz, weil die Speicher leer waren, und wer in Bordeaux seinen Rasen sprengt, riskiert inzwischen ein Bußgeld.
Ich schreibe das nicht, um Angst zu erzeugen, sondern um den Maßstab geradezurücken. Was wir gerade in Frankreich, Griechenland, Spanien und Italien erleben, ist die mildeste, wohlhabendste, am besten verwaltete Version der Wasserkrise, die es auf diesem Planeten gibt. Es ist die Version mit Behörden-App, Tankwagen und Bußgeldkatalog. Die härteren Versionen laufen weiter südlich und östlich, ohne App und ohne Tankwagen.
Und jetzt drehen wir die Zeit nach vorn.
Wie die Welt 2050 aussieht, wenn wir jetzt nichts tun
Für diese Frage gibt es keine Kristallkugel, aber etwas Besseres: Projektionen von Institutionen, die für Panikmache nicht bekannt sind – das World Resources Institute, die Weltbank, die Vereinten Nationen. Legt man deren Zahlen nebeneinander, ergibt sich ein Bild, das man sich in Ruhe ansehen sollte, gerade weil es ganz ohne brennenden Himmel auskommt.
Bis 2050 werden nach den Aqueduct-Projektionen eine weitere Milliarde Menschen unter extrem hohem Wasserstress leben, zusätzlich zu den rund zwei Milliarden von heute. Und dieser Wert gilt wohlgemerkt für das optimistische Szenario, für eine Welt also, die ihre Klimaziele halbwegs einhält. Im Nahen Osten und in Nordafrika wird dann die gesamte Bevölkerung betroffen sein, hundert Prozent, jeder einzelne Mensch. Der weltweite Wasserbedarf steigt im selben Zeitraum um zwanzig bis fünfundzwanzig Prozent, in Subsahara-Afrika, der am schnellsten wachsenden Region der Welt, um mehr als 160 Prozent.
Nun ist „Wasserstress“ ein blasses Wort, also übersetzen wir es. Es bedeutet: Städte wie Sanaa im Jemen, unter denen der Grundwasserspiegel seit Jahren abstürzt, könnten als erste Millionenstädte der Geschichte faktisch ohne Grundwasser dastehen. Es bedeutet Bewässerungsverbote in Regionen, in denen sechzig Prozent der bewässerten Landwirtschaft schon heute unter extremem Wasserstress arbeiten – während dieselbe Landwirtschaft bis 2050 gut die Hälfte mehr Kalorien erzeugen müsste, um zehn Milliarden Menschen zu ernähren. Es bedeutet Lebensmittelpreise, die nicht mehr nur von Ernten abhängen, sondern von Pegelständen. Und es bedeutet Wirtschaft: Nach den Aqueduct-Daten werden 2050 rund 31 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung in Regionen mit hohem Wasserstress erwirtschaftet, etwa 70 Billionen Dollar, gegenüber 24 Prozent im Jahr 2010. Man kann sich aussuchen, ob man das eine ökologische oder eine ökonomische Zahl nennt. Sie ist beides.
Dazu die Menschen. Die Weltbank hat in ihrem Groundswell-Bericht durchgerechnet, was langsame Klimafolgen wie Wasserknappheit, Ernteausfälle und steigende Meere bis 2050 auslösen können: bis zu 216 Millionen Menschen, die allein innerhalb ihrer eigenen Länder die Heimat verlassen müssen. Die ersten Hotspots dieser Wanderungen erwartet der Bericht nicht irgendwann, sondern ab 2030 – das ist übermorgen. Und die Zahl ist bewusst vorsichtig gerechnet: Grenzüberschreitende Migration ist darin gar nicht enthalten, der Nahe Osten ebenso wenig.
Wer wissen will, wie sich eine solche Welt anfühlt, muss nichts erfinden. Es genügt, die Gegenwart zu verlängern. Die Tankwagen von 2026, nur eben als Dauereinrichtung statt als Sommernotstand. Die Bewässerungsverbote nicht mehr als Ausnahme für ein Krisenjahr, sondern als normaler Betriebsmodus. Die Karte der Wasserkonflikte mit noch steilerer Kurve. Und an den Außengrenzen der wohlhabenden Welt eine Politik, die immer höhere Zäune um ein Problem baut, das durch Zäune um keinen einzigen Liter kleiner wird.
Das ist die Zukunft, wenn wir nichts tun. Sie ist knapp, in beiden Bedeutungen des Wortes: knapp an Wasser, und knapp vor uns.
In denselben Berichten steht allerdings noch eine zweite Zahl, und die hebe ich mir auf, denn sie ist der eigentliche Grund, warum ich diesen Text überhaupt schreibe. Ich komme am Ende darauf zurück.

Wenn der Brunnen versiegt, geht der Mensch
Jetzt zum unbequemsten Teil.
Wir diskutieren in Deutschland seit Jahren über Flucht und Migration, meist in einem Ton, als ginge es um ein Verwaltungsproblem oder um eine Charakterfrage der Geflüchteten. Worüber wir fast nie sprechen: Warum genau verlassen Menschen eigentlich Regionen, in denen ihre Familien seit Generationen lebten?
Eine der Antworten ist so einfach, dass sie fast banal klingt: Weil dort das Wasser ausgeht.
Ein Bauer im Sahel, dessen Brunnen jedes Jahr tiefer gebohrt werden muss, bis er es sich nicht mehr leisten kann. Eine Hirtenfamilie am Tschadsee, der seit den Sechzigerjahren um rund neunzig Prozent geschrumpft ist, während die Bevölkerung rund um den See weiter wuchs. Ein Landwirt in Syrien, der zwischen 2006 und 2010 eine der schwersten Dürren der jüngeren Geschichte erlebte, seine Herden verlor und mit Hunderttausenden anderen in die Vorstädte zog – dorthin, wo wenige Jahre später der Bürgerkrieg ausbrach.
Ich will hier sauber bleiben, denn Sauberkeit ist bei diesem Thema alles. Wasser ist fast nie die alleinige Ursache eines Krieges. Der syrische Bürgerkrieg hatte politische Ursachen, die Diktatur, die Repression, die fehlende Perspektive einer ganzen Generation. Aber die Dürre und die zusammengebrochene Landwirtschaft haben Hunderttausende entwurzelter Menschen in die Städte getrieben und den Druck im Kessel erhöht. Fachleute nennen das einen „Bedrohungsmultiplikator“. Wasser zündet den Konflikt selten an, aber es gießt Benzin hinein.
Und diese Konflikte nehmen messbar zu. Das Pacific Institute in Kalifornien führt seit Jahrzehnten eine Chronik der Wasserkonflikte weltweit, Fälle, in denen um Wasser gekämpft, Wasser als Waffe eingesetzt oder Wasserinfrastruktur gezielt zerstört wurde. In den Jahrzehnten vor 2000 zählte die Chronik jeweils einige Dutzend Fälle. Zwischen 2010 und 2019 waren es über sechshundert, und die Zwanzigerjahre hatten dieses Niveau bereits nach vier Jahren überschritten. Die Kurve zeigt steil nach oben, nicht in einem Modell, sondern in einer Chronik dokumentierter Ereignisse.
Wer also fragt, warum Menschen aus dem Sahel, aus dem Nahen Osten, aus Teilen Süd- und Zentralasiens fliehen, bekommt viele Antworten: Krieg, Armut, Verfolgung, fehlende Perspektiven. Aber unter fast allen diesen Antworten liegt, wie ein Fundament, immer öfter dieselbe Schicht: Es gibt nicht mehr genug Wasser, um dort ein Leben aufzubauen. Wenn der Brunnen versiegt, das Feld verdorrt und der Liter Wasser mehr kostet, als die Arbeit eines Tages einbringt, dann geht man. Nicht aus Abenteuerlust. Aus Durst.

Warum der Zaun die dümmste Antwort ist, die wir geben können
Und damit sind wir bei der Politik, genauer: bei einer bestimmten Sorte Politik, die derzeit weltweit Konjunktur hat. Grenzen dicht, abschieben, „Deutschland den Deutschen“, „America first“. Ich will das nicht moralisch von oben herab abhandeln, das führt erfahrungsgemäß zu nichts. Ich will es zu Ende denken, und zwar dreifach: hydrologisch, wirtschaftlich und rechnerisch.
Zuerst die Hydrologie, die einfachste Ebene. Man kann einen durstigen Menschen in ein ausgedörrtes Land zurückschicken, so oft man will – es füllt keinen einzigen Grundwasserleiter wieder auf. Die Dürre am Tschadsee fragt nicht nach Pässen, und die Fluchtbewegung, die sie auslöst, macht an keinem Zaun der Welt dauerhaft halt. Man kann Menschen zurückschicken. Die Dürre bleibt trotzdem da, und sie schickt die nächsten. Eine Politik, die auf ein physikalisches Problem mit einem symbolischen Bauwerk antwortet, ist ungefähr so wirksam wie ein Regenschirm gegen ein steigendes Hochwasser: Er beruhigt den, der ihn hält. Am Pegel ändert er nichts.
Damit an dieser Stelle kein Missverständnis entsteht, denn hier wird gern absichtlich missverstanden: Wer straffällig wird, gehört vor ein Gericht und gegebenenfalls ins Gefängnis. Das ist Rechtsstaat, darüber müssen wir nicht streiten. Mit der Wasserfrage hat es nur nichts zu tun.
Zweitens die Wirtschaft, und hier wird es für die Freunde der nationalen Alleingänge richtig ungemütlich, denn ihr Weltbild scheitert ausgerechnet an der Industrie, auf die sie sich so gern berufen. Es gibt auf diesem Planeten kein einziges Industrieland mehr, das allein überlebensfähig wäre. Als Taiwan 2021 die schwerste Dürre seit über einem halben Jahrhundert erlebte, ließen die Chiphersteller dort Wasser in Tanklastern zu ihren Werken fahren, damit die Produktion nicht abriss – mitten in einer weltweiten Halbleiterkrise, die in Wolfsburg, München und Detroit die Bänder stillstehen ließ. Die Welt lernte in jenem Jahr nebenbei, dass in jedem modernen Auto ein paar Tropfen taiwanisches Wasser stecken. Deutschlands Wohlstand hängt an Exporten, an Rohstoffen, an Vorprodukten aus Dutzenden Ländern; unsere Energiewende braucht Kupfer aus Chile und Seltene Erden aus China, unsere Fabriken brauchen Chips aus Taiwan, und unser Abendessen braucht, das wird am liebsten vergessen, das Wasser anderer Leute. Die Erdbeeren im Winterregal wachsen am Rand des Doñana-Nationalparks, dessen Grundwasser dafür übernutzt wird, das Gemüse kommt aus den Gewächshäusern von Almería, die Avocado aus Trockentälern. Deutschland gehört zu den größten Importeuren „virtuellen Wassers“ der Welt: Der größte Teil des Wassers, das unser Konsum verbraucht, fällt gar nicht bei uns an, sondern in Ländern, denen es zunehmend fehlt. Wenn dort die Brunnen leerfallen, wird es bei uns nicht patriotisch. Es wird teuer.
„America first“ und „Deutschland den Deutschen“ sind vor diesem Hintergrund keine harten, realistischen Positionen, als die sie sich so gern verkaufen. Sie sind der Traum von einer Autarkie, die es seit hundert Jahren nicht mehr gibt, vorgetragen mit der Attitüde von Leuten, die sich für besonders nüchtern halten. Ein Land, dessen Industrie am Tropf globaler Lieferketten hängt und dessen Supermarktregale vom Grundwasser Andalusiens abhängen, kann sich Nationalismus ungefähr so leisten wie ein Bergsteiger in der Seilschaft die Ansage, ab sofort nur noch für sich selbst zu sichern.
Drittens die Rechnung, und die ist von allen Argumenten das kälteste, vielleicht gerade deshalb das überzeugendste. Das World Resources Institute hat kalkuliert, was es kosten würde, die Wasserprobleme der Welt tatsächlich zu lösen, mit Leitungen, Aufbereitung, effizienter Bewässerung, Infrastruktur: rund ein Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, umgerechnet etwa 29 Cent pro Person und Tag. Dem stehen jene 70 Billionen Dollar an Wirtschaftsleistung gegenüber, die 2050 in wassergestressten Regionen auf dem Spiel stehen, unser eigener Wohlstand eingeschlossen. Und die Weltbank rechnet vor, dass entschlossenes gemeinsames Handeln, Klimaschutz plus echte Entwicklung, die interne Klimamigration bis 2050 um bis zu achtzig Prozent verringern könnte. Achtzig Prozent. Es gibt keinen Zaun, keine Abschiebeoffensive und kein Grenzregime auf diesem Planeten, das auch nur in die Nähe dieser Wirkung käme. Jeder funktionierende Brunnen im Sahel, jede dichte Leitung in Nordafrika, jede tröpfchenbewässerte Plantage in Pakistan ist wirksamere Migrationspolitik als jeder Meter Stacheldraht, und sie ist obendrein billiger.
Bleibt der Einwand, den ich am häufigsten höre: Aber die anderen machen doch nicht mit. Die Golfstaaten, China, die Regierung Soundso. Das stimmt oft genug, und trotzdem trägt der Einwand nicht. Zusammenarbeit bei Wasser und Klima ist keine Freundschaftsgeste, die man sich für sympathische Partner aufhebt. Sie funktioniert wie Rüstungskontrolle: Man verhandelt gerade mit denen, denen man misstraut, weil die Alternative alle trifft. Der Grundwasserspiegel unter Sanaa wartet nicht, bis uns die jemenitische Politik gefällt. Wir werden mit Ländern kooperieren müssen, deren Regierungen wir für falsch halten, so wie wir heute schon mit ihnen Handel treiben – nicht aus Naivität, sondern weil sich ein Wasserkreislauf, eine Atmosphäre und ein Klima schlicht nicht in Einflusszonen aufteilen lassen. Es gibt keine Version dieser Geschichte, in der ein Teil der Welt trockenfällt und der andere davon unberührt bleibt.
Wenn Konzerne den Brunnen leerpumpen
Es gibt in dieser Geschichte ein Kapitel, bei dem mir regelmäßig die Contenance abhandenkommt, und ich versuche trotzdem, bei den Fakten zu bleiben.
Bhati Dilwan ist ein Dorf in Pakistan, rund vierzig Kilometer außerhalb von Lahore. Dort steht eine der großen Abfüllanlagen von Nestlé, in der das Flaschenwasser „Pure Life“ produziert wird. Seit die Anlage läuft, berichten die Dorfbewohner, dass ihre seit Generationen genutzten Brunnen versiegen; der frühere Gemeinderat beschrieb, dass der Wasserstand von rund hundert auf drei- bis vierhundert Fuß Tiefe gefallen sei und die Kinder vom verbliebenen, verschmutzten Wasser krank würden. Ein pakistanischer Prüfbericht kam zu dem Ergebnis, dass Flaschenwasserkonzerne zwischen 2013 und 2017 Milliarden Liter Grundwasser entnommen haben, ohne dafür nennenswert zu bezahlen. Anschließend wird dieses Wasser, in Plastik verpackt, an dieselbe Bevölkerung zurückverkauft. In Nigeria, so rechnete es ein UNICEF-Berater im Dokumentarfilm „Bottled Life“ vor, kostet eine Flasche „Pure Life“ mehr als ein Liter Benzin – und mehr, als viele Menschen dort an einem Tag verdienen.
Man muss sich diesen Geschäftszyklus einmal langsam vorsagen: Ein Konzern pumpt das Gemeingut Wasser praktisch kostenlos aus dem Boden einer armen Region, die Brunnen der Anwohner fallen trocken, und dann verkauft der Konzern den Anwohnern ihr eigenes Wasser in der Flasche zurück, zu einem Preis, den sie sich kaum leisten können.
In Plachimada, einem Dorf im indischen Bundesstaat Kerala, lief eine ähnliche Geschichte mit anderem Ausgang. Dort eröffnete Coca-Cola im Jahr 2000 ein Abfüllwerk, kurz darauf fielen die Brunnen der Umgebung trocken und das verbliebene Wasser wurde ungenießbar. Die Dorfbewohner, größtenteils arme Landarbeiterfamilien, begannen einen jahrelangen, zähen Protest, und 2004 musste das Werk schließen. Es blieb geschlossen. Ein paar Dörfler gegen einen Weltkonzern, und die Dörfler haben gewonnen – solche Sätze darf ich selten schreiben, deshalb lasse ich ihn einen Moment stehen.
Die Pointe bleibt trotzdem bitter, denn dass es diesen Kampf überhaupt brauchte, zeigt, was schiefläuft. Die Vereinten Nationen haben 2010 den Zugang zu sauberem Wasser zum Menschenrecht erklärt. Ein Menschenrecht kann man nicht abfüllen, etikettieren und mit Gewinnmarge verkaufen, während nebenan die Brunnen trockenfallen. Deshalb gehört ein Grundsatz in jede Verfassung, in jedes Handelsabkommen und in jeden Kommunalvertrag: Wasser wird nicht privatisiert. Nicht in Pakistan, nicht in Kerala und auch nicht bei uns, wo entsprechende Begehrlichkeiten regelmäßig durch die Hintertür wiederkommen, zuletzt in Gestalt von Konzessionsmodellen und „Public-Private-Partnerships“, die auf dem Papier immer wunderbar klingen und am Ende immer dasselbe bedeuten: Die Rendite fließt ab, die Verantwortung bleibt liegen.
Kann man das Meer nicht einfach trinken?
Kommen wir zur beliebtesten Publikumsfrage: Warum entsalzen wir nicht einfach das Meer? Davon haben wir schließlich reichlich.
Die Antwort lautet: Wir tun es längst. Weltweit sind Entsalzungsanlagen mit einer Kapazität von fast hundert Millionen Kubikmetern pro Tag installiert. Israel deckt einen Großteil seines Trinkwassers aus dem Mittelmeer, die Golfstaaten könnten ohne Entsalzung schlicht nicht existieren, Spanien und Griechenland bauen aus, und im Sommer 2026 wurde selbst auf kleinen griechischen Inseln in aller Eile nachgerüstet.
Und hier muss ich eine verbreitete Annahme geraderücken, auch meine eigene, denn ich hätte lange geschätzt, entsalztes Wasser sei sündteuer, irgendwo in der Nähe von Mineralwasser. Rechnen wir nach. Die Herstellung von Trinkwasser aus Meerwasser kostet in modernen Umkehrosmose-Anlagen heute etwa fünfzig Cent bis anderthalb Euro pro Kubikmeter, also pro tausend Liter; Spitzenanlagen am Golf schaffen rund dreißig Cent. Zum Vergleich: In München kostet der Kubikmeter Leitungswasser rund 1,80 Euro. Direkt an einer effizienten Küstenanlage liegt entsalztes Meerwasser also in der Größenordnung unseres ganz normalen Wassers aus dem Hahn. Und das Mineralwasser aus dem Supermarkt? Selbst die Discounterflasche kommt auf etwa zwanzig Cent pro Liter, auf den Kubikmeter gerechnet sind das zwei- bis fünfhundert Euro. Mineralwasser ist damit, je nach Marke, hundert- bis tausendmal teurer als entsalztes Meerwasser. Wer sich über die Kosten der Entsalzung echauffiert und dabei ein Sixpack Flaschenwasser in den Kofferraum wuchtet, hat ein interessantes Verhältnis zu Zahlen.
Warum ist Entsalzung dann trotzdem keine Patentlösung? Aus drei Gründen, und die haben es in sich.
Erstens die Energie. Die Entsalzung eines Kubikmeters verschlingt rund drei bis vier Kilowattstunden Strom, und bei Millionen Kubikmetern täglich summiert sich das zu Kraftwerksgrößen. Wird dieser Strom fossil erzeugt, bekämpfen wir die Folgen des Klimawandels mit seinen Ursachen, eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt und dabei noch Rechnungen schreibt. Mit Solarstrom dagegen, der in genau diesen sonnenreichen Küstenregionen konkurrenzlos billig geworden ist, sieht die Rechnung völlig anders aus. Hier greifen Energiewende und Wasserwende ineinander, und das ist eine der wirklich guten Nachrichten dieses Textes. Nur muss die Infrastruktur erst einmal jemand bezahlen: Jordanien baut gerade eine Anlage, die ein Viertel der nationalen Versorgung liefern soll, für rund vier Milliarden Euro. Für ein reiches Land ist das eine Investition. Für ein armes eine Hypothek.
Zweitens der Transport. Das Meer liegt bekanntlich unten, Städte, Felder und Speicher liegen oft oben und weiter weg. Wasser ist schwer, ein Kubikmeter wiegt eine Tonne, und jede Tonne, die man hundert Kilometer weit und ein paar hundert Höhenmeter hinauf pumpt, kostet erneut Energie und Leitungen, die es erst einmal geben muss. Für die Küstenstadt ist entsalztes Wasser bezahlbar. Für den Weizenbauern dreihundert Kilometer im Landesinneren ist es unerschwinglich.
Drittens, und entscheidend: die Landwirtschaft. Ein Kubikmeter Trinkwasser für einen Haushalt ist selbst für zwei Euro darstellbar, eine vierköpfige Familie käme auf vielleicht dreißig bis vierzig Euro Mehrkosten im Monat. Ein Landwirt aber braucht für einen einzigen bewässerten Hektar schnell mehrere tausend Kubikmeter im Jahr, und bei Entsalzungspreisen wird aus jeder Tomate ein Luxusgut. Man kann mit Entsalzung Städte am Leben halten. Eine Volkswirtschaft, die auf durstiger Landwirtschaft beruht, kann man mit ihr nicht bewässern – und die konzentrierte Salzlauge, die am Ende übrig bleibt, muss auch noch irgendwohin.
Die Entsalzung wird also kommen, massiv sogar, und sie wird das Trinkwasser vieler Küstenstädte retten. Das alte System aus Wasserverschwendung, Exportlandwirtschaft in Trockengebieten und löchrigen Leitungen rettet sie nicht. Wer glaubt, man könne ein paar Anlagen ans Meer stellen und weitermachen wie bisher, wird von der eigenen Wasserrechnung eines Besseren belehrt.
Die Sache mit dem Zahnputzbecher
Und jetzt zu uns, zu dir und mir, am Waschbecken. In meinem vorherigen Bericht über Wasserknappheit in Bayern hatte ich das Zähneputzen und den berühmten Zahnputzbecher eher als Nebensache behandelt. Sinngemäß: nett gemeint, aber im großen Maßstab kaum entscheidend. Darauf hat mich eine Leserin aufmerksam gemacht. Und sie hatte recht.
Übrigens, ich drehe den Hahn beim Zähneputzen selbst auch zu. Nicht weil in Bayern morgen das Wasser ausgeht, sondern weil ich es nicht ertrage, einer Ressource beim sinnlosen Verschwinden zuzusehen. Aber ich wollte im vorherigen Beitrag eben nicht mit dem Finger auf die Menschen zeigen oder ihr Verhalten allzu streng beurteilen. Rechnen wir trotzdem nach, ob das mehr ist als ein Gefühl.
Ein normaler Wasserhahn liefert etwa sechs Liter pro Minute. Wer zweimal täglich zwei bis drei Minuten putzt und den Hahn dabei laufen lässt, jagt rund 25 bis 30 Liter pro Tag durch den Abfluss; mit Zahnputzbecher sind es vielleicht zwei. Nehmen wir vorsichtig an, dass von 84 Millionen Menschen in Deutschland nur 60 Millionen mitmachen, Kleinkinder, Hahn-zu-Veteranen und notorische Verweigerer abgezogen. Das ergibt anderthalb Milliarden Liter am Tag, rund 550 Millionen Kubikmeter im Jahr. Zur Einordnung: Das sind fast drei Viertel des gesamten jährlichen Wasserverlusts, den die Satelliten für Deutschland messen, und mehr, als eine Millionenstadt wie München im Jahr an Trinkwasser verbraucht. Durch das Zudrehen eines Hahns, zweimal am Tag.
Und jetzt der Teil, den ein ehrlicher Text nicht weglassen darf: Dieses gesparte Wasser fließt nicht nach Andalusien. Das Leitungswasser, das ich in Oberbayern nicht verbrauche, füllt keinen Brunnen im Sahel. Wassersparen im Badezimmer wirkt regional, es entlastet unsere Grundwasserkörper, unsere Klärwerke und, nicht zu vergessen, Geldbeutel und Klima, denn ein großer Teil dieses Wassers ist warm, und Warmwasser ist Energie.
Die eigentliche Wirkung liegt woanders, und die halte ich für wichtiger als jeden Liter: Wer den Hahn zudreht, hat verstanden, dass Wasser endlich ist. Und wer das verstanden hat, trifft auch die größeren Entscheidungen anders. Beim Einkauf, denn das meiste Wasser verbrauchen wir nicht im Bad, sondern auf dem Teller, als virtuelles Wasser in Avocados aus Trockengebieten, in Erdbeeren im Januar, in Rindfleisch aus Bewässerungsfutter. Bei der Wahl. Beim Kommentar unter dem nächsten Artikel, der behauptet, das sei doch alles Panikmache.
Der Zahnputzbecher rettet die Welt nicht. Aber er ist der Moment, in dem man anfängt, sie retten zu wollen, und 550 Millionen Kubikmeter sind trotzdem 550 Millionen Kubikmeter.
Die zweite Zahl
Ich schreibe bewusst nicht, es sei fünf vor zwölf. Diesen Satz höre ich seit dreißig Jahren, und er war schon damals falsch, nur in die andere Richtung. Wir stecken mittendrin: in Frankreich, wo in diesem Juli fast jedes Département den Wasserhahn reguliert, auf den Kykladen, wo Entsalzungsanlagen im Eiltempo ans Netz gehen, in Mexiko-Stadt, das auf seinem leergepumpten Grundwasserleiter absackt, am Tschadsee, an dem eine ganze Region ihre Lebensgrundlage verliert. Und manches davon holen wir nicht mehr zurück. Das fossile Grundwasser vieler Jahrhunderte kommt in menschlichen Zeiträumen nicht wieder, der Aralsee wird zu unseren Lebzeiten kein See mehr.
Aber zwischen „nicht zurückdrehen“ und „nichts mehr tun können“ liegt ein Ozean, und jetzt löse ich die Zahl ein, die ich oben angekündigt habe. Dieselbe Weltbank, die bis zu 216 Millionen Klimavertriebene bis 2050 errechnet, hat auch das Gegenszenario durchgerechnet: Mit entschlossenem gemeinsamem Handeln, mit Klimaschutz und echter Entwicklung, schrumpft diese Zahl um bis zu achtzig Prozent. Vier von fünf dieser Schicksale sind vermeidbar, heute, mit vorhandener Technik, für rund ein Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Die Zukunft, die ich oben beschrieben habe, ist deshalb keine Prognose, sondern eine Drohung mit Wahlmöglichkeit – und genau darin unterscheidet sie sich von einem Erdbeben.
Dass es geht, ist dokumentiert, nicht bloß erhofft. Die große Nature-Studie zum weltweiten Grundwasser verzeichnet nicht nur den Rückgang, sondern auch Regionen, in denen sich Grundwasserleiter erholt haben, überall dort, wo Entnahmen begrenzt und Wasser klug bewirtschaftet wurde. Das Coca-Cola-Werk in Plachimada ist zu. Singapur, eines der wasserärmsten Länder der Erde, versorgt sich durch Regenwassernutzung, Wiederaufbereitung und konsequentes Management stabil selbst. Israel verwendet fast neunzig Prozent seines Abwassers wieder, gereinigt, auf den Feldern.
Die Liste dessen, was zu tun ist, ist entsprechend unspektakulär, und vielleicht ist das ihr größtes Handicap, denn sie taugt nicht für Wahlplakate. Leitungsnetze reparieren, denn ein Land, das vierzig Prozent seines Wassers verliert, braucht keine neuen Quellen, sondern neue Rohre. Landwirtschaft an die Region anpassen, mit Tröpfchenbewässerung statt Sprühkanonen und mit Kulturen, die zum Klima passen. Gereinigtes Abwasser wiederverwenden. Wasser als Menschenrecht schützen und seine Privatisierung stoppen, überall. Entsalzung mit Solarstrom koppeln, wo sie gebraucht wird. Arme Länder beim Aufbau ihrer Wasserinfrastruktur unterstützen, nicht aus Barmherzigkeit, sondern aus nacktem Eigeninteresse. Und als Fundament unter allem: die Erderwärmung bremsen, die den gesamten Wasserkreislauf immer weiter aus dem Takt bringt.
Nichts davon ist Utopie, alles davon existiert bereits und funktioniert, irgendwo auf der Welt. Was fehlt, ist die Entscheidung, es überall zu tun, und die Einsicht, dass „überall“ hier wörtlich gemeint ist. Ein Land, das seine Autos mit taiwanischen Chips baut, seine Windräder mit chilenischem Kupfer und seinen Wintersalat mit andalusischem Grundwasser, hat am Ende nur die Wahl zwischen Zusammenarbeit und Wohlstandsverlust; eine dritte Option steht nicht auf der Karte. Mit Gesinnung hat das wenig zu tun und mit Nettigkeit gegenüber dem Rest der Welt gar nichts. Es ist schlicht die Statik des Hauses, in dem wir längst alle wohnen.
Das Schild im Hotelbad hängt übrigens immer noch da. „Bitte helfen Sie uns, Wasser zu sparen.“
Vielleicht fangen wir wirklich damit an. Nur eben nicht beim Duschkopf, sondern bei den Rohren, den Feldern, den Verträgen und den Wahlzetteln. Und nicht nur im Urlaub.
Quellen
World Resources Institute, Aqueduct Water Risk Atlas (Aqueduct 4.0, 2023): 25 Länder unter extrem hohem Wasserstress (≥ 80 % Ausschöpfung); rund 4 Mrd. Menschen mit mindestens einem Monat hoher Wasserknappheit pro Jahr; Projektionen 2050: +1 Mrd. Menschen unter extrem hohem Wasserstress selbst im optimistischen Klimaszenario (1,3–2,4 °C), globaler Wasserbedarf +20–25 %, Subsahara-Afrika +163 %, MENA-Region 100 % der Bevölkerung betroffen; 31 % der globalen Wirtschaftsleistung (~70 Billionen US-$) 2050 in Regionen mit hohem Wasserstress (2010: 24 %); 60 % der bewässerten Landwirtschaft bereits unter extremem Wasserstress bei +56 % benötigten Nahrungskalorien bis 2050; Kosten der Lösung: ~1 % der globalen Wirtschaftsleistung bzw. ~29 Cent pro Person und Tag (2015–2030). wri.org/insights/highest-water-stressed-countries
Weltbank, „Groundswell: Acting on Internal Climate Migration“ (2021): bis zu 216 Mio. Binnen-Klimamigranten bis 2050 in sechs Weltregionen (Subsahara-Afrika 86 Mio., Ostasien/Pazifik 49 Mio., Südasien 40 Mio., Nordafrika 19 Mio.); Hotspots ab 2030; Schätzung konservativ (ohne grenzüberschreitende Migration, Nahen Osten, kleine Inselstaaten); Reduktion um bis zu 80 % durch entschlossenes gemeinsames Handeln möglich.
VigiEau/Propluvia (Ministère de la Transition écologique) und Selectra-Auswertungen, Stand 9. Juli 2026: 95 von 96 Festland-Départements mit mindestens einer Wassernutzungsbeschränkung, nur Haute-Corse ohne Maßnahmen; Météo-France: Frühjahr 2026 wärmstes seit Messbeginn (+1,7 °C, ca. −30 % Niederschlag), Rekordhitzewelle im Juni; BRGM: 77 % der Grundwasserpegel fallend.
Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) Potsdam: GRACE/GRACE-FO-Auswertung, mittlerer Wasserverlust Deutschlands ca. 760 Mio. m³/Jahr (2002–2022).
ISTAT (Italien): Netzverluste 42,4 % (2022), ca. 3,4 Mrd. m³; rechnerischer Bedarf von über 43 Mio. Menschen.
Jasechko et al. (2024): Rapid groundwater decline and some cases of recovery in aquifers globally. Nature.
Pacific Institute, Water Conflict Chronology: 2010–2019 über 600 dokumentierte Wasserkonflikte, Niveau in den 2020ern bereits nach vier Jahren überschritten. worldwater.org/water-conflict
Euronews / Associated Press: Griechische Inseln – Verdopplung des Wasserverbrauchs auf Santorin seit 2020, ausgetrockneter Stausee auf Naxos, Regelung von Meerwasser in Hotelpools, Notfall-Entsalzung 2026.
Taiwan-Dürre 2021 (schwerste seit über 50 Jahren): Wasserversorgung der Halbleiterwerke per Tanklaster, u. a. Reuters/BBC-Berichterstattung; parallele globale Chipkrise mit Produktionsstopps in der Autoindustrie.
WWF/Umweltbundesamt: Deutschland als einer der größten Importeure virtuellen Wassers; Übernutzung des Grundwassers am Doñana-Nationalpark für Beerenanbau (WWF Spanien, EU-Vertragsverletzungsverfahren).
Dokumentarfilm „Bottled Life“ (2012) sowie Berichte zu Nestlé in Bhati Dilwan/Pakistan (u. a. pakistanischer Prüfbericht zu Grundwasserentnahmen 2013–2017); Business & Human Rights Resource Centre.
Plachimada/Kerala: Coca-Cola-Werksschließung 2004 nach Protesten; Entscheidung des Kerala High Court.
UN-Generalversammlung, Resolution 64/292 (2010): Menschenrecht auf Wasser und Sanitärversorgung.
Kostendaten Meerwasserentsalzung (Umkehrosmose): ca. 0,30–1,50 €/m³, Energiebedarf ca. 3–4 kWh/m³, globale Kapazität ca. 97 Mio. m³/Tag; Jordanien, Aqaba-Amman-Projekt (~4 Mrd. €).
Stadtwerke München: Trinkwasserpreis ca. 1,80 €/m³; Preisvergleich Flaschenwasser (ÖKO-TEST/Utopia).
Zähneputz-Hochrechnung: Durchflussmengen 6 L/min (Stadtwerke-/Umweltverbandsangaben), eigene, bewusst konservative Rechnung.




Es ist alles so wahr und die Folgen so absehbar
Ja, Ich könnte noch einen oben drauf setzen. Es geht um den Indus. die Quellflüsse liegen in Indien. Es gibt ein Abkommen zwischen Pakistan und Indien, das indische Bauern und die Regierung oft nicht einhalten. In Pakistan kommt weniger Wasser an, als die Vereinbarung sagt, weil Indien die Quellflüsse staut und das Wasser entnimmt.
Ja die sind verfeindet und das hat nichts mit dem Wasser zu tun, aber der Wassermangel kann sich dort zu einem ernsthaften Konflikt ausbreiten, weil BEIDE Seiten nicht mehr mit einander reden und in beiden Ländern eine Diktatur ist.
Und dass im Himalaya Gletscher schmelzen ist eine der Ursachen, die andere ist die massive Entnahme von Wasser durch Konzerne, was du treffend beschrieben hast; hier ist es eher Kurzsichtigkeit und eine riesige Korruption-auf beiden Seiten.
In Bezug auf Spanien ist es so, dass die Menschen dort das Wasser aus ihren Brunnen oft nicht mehr trinken koennen, was dazu führt, dass du oft dein Trinkwasser in grossen Behaeltern kaufen musst, das Grundwasser ist oft versalzen oder durch den massiven Rückgang des Grundwasserspiegels liegt es so tief und benutzen kannst du es für's Duschen oder fuer Deinen Garten, trinkbar ist es nicht mehr.
Und das passiert, wenn massive Monokulturen entstehen in der Landwirtschaft. Ich möchte garnicht naeher darauf eingehen, aber viel des Gemüses, das bei uns im Supermarkt landet und -wenn es schon bissel welk ist- dann entsorgt wird, hat einen sehr hohen Preis, einen versteckten an Wasser.
In Rom (Italia) Ist es anders, da haben die kleinen Brunnen, die man überall sieht, Trinkwasserqualitaet (ausser auf denen wo draufsteht, man solle es nicht trinken) aber diese kleinen Säulen, das kannst du trinken, weil Rom unterirdisch auf einem riesigen Grundwasserreservoir hockt.Waherend das Umland langsam austrocknet.
Eigentlich muessten wir anfangen Riesenkonzerne zu boykottieren, Nestlé, Coca-Cole, Pepsi (das in Indien von Bauern paradoxerweise gerne als Pestizidersatz benutzt wird) Oder auf Regierungsebene einschraenken. Aber das jetzt auszuführen, würde zu weit führen.