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Avatar von Kathrin Lange

Dein Text und die Kommentaren darunter waren heute meine Frühmorgenslektüre. Ich schließe mich dem an, was Jeffrey schon geschrieben hat: Meine Tage sind längst vermiest. Bei mir begann es 2015 als wir plötzlich uniformierte "Bürgerwehren" durchs Dorf patrouillieren hatten, weil wir zwei Hände voll Geflüchtete aufnehmen mussten. (Wir waren damals nichtmal in der Nähe des Königssteiner Schlüssels.) Wie viele Gespräche ich geführt habe, um den Leuten beim Einkaufen und am Gartenzaun zu erkären, dass die "neuerdings so verdächtig hohe Polizeipräsenz" in diesen Typen begründet lag und nicht in den paar Menschen mit anderer Hautfarbe. Das war für mich der Augenblick, in dem ich gemerkt habe: Hier kippt etwas.

Danke für deine klaren Worte. Ich habe gestern die aktuelle Folge von "Die Lage der Nation" gehört, in dem die beiden Hosts eine Psychologin befragen, die ihr Fachgebiet mit Politikwissenschaften verbunden hat und sich fragt, wie unsere Politik psychologisch gesehen besser, d.h. resistenter gegen diesen Rechtsruckkram werden kann. Leider hatte sie außer "mit den Leuten reden" und "besser erklären nur sehr wenig Argumente, die mich überzeugt haben, abgesehen vielleicht von "Selbstwirksamkeit aneignen". Dazu gleich unten mehr.

Dieses Gefühl "Man kann sowieso nichts mehr machen" ist fies, gleichzeitig denke ich an etwas, das ich neulich las und das mir zumindest die Situation im Netz ein bisschen anders eingeordnet hat: Einer der Tricks der Neuen Rechten, ist es, Interessenten zu raten, als erstes so viele Social Media-Accounts wie möglich anzulegen und diese zu nutzen, um ihre Propaganda vielfach ins Netz zu blasen. Dazu entwickelt man außerdem gerade eine KI, die darauf spezialisiert ist, möglichst zugespitzte Aufreger zu erstellen, als Text, Meme, Video. Man gibt ein Thema ein, die KI durchsucht die einschlägigen Presseportale und bastelt daraus etwas hübsch Provokantes.

Das ist darum ein Punkt, um den ich deine Liste ergänzen möchte: Wir müssen endlich anerkennen, dass wir uns im virtuellen Raum längst in einem Krieg befinden, in dem wir dringend aufrüsten müssten.

Was das Thema "Selbstwirksamkeit" angeht: As Autorin und Schreibcoach bin ich der Meinung, dass nichts besser ist, sich wirksam zu fühlen, als über die eigenen Ängste und Themen zu schreiben. Leider sitzen wir dabei alle allein zu Hause am Schreibtisch. Darum arbeite ich mit einer Strafrechtsprofessorin gerade an einem Schreibprojekt, in dem wir Menschen miteinander vernetzen wollen.

Avatar von LisaEmilie

Danke für dein Text, der es sehr gut auf den Punkt bringt.

Die Wut, Unzufriedenheit oder „schlechte Stimmung“ im Osten ist ja auch nicht neu… aber sie wird durch die AfD bestätigt (irgendwie). Es geht viel um Emotionen.

Es ist nur schade, dass das andere Parteien nicht erkennen - ich will hier nicht auf der CDU und Merz rumhacken, aber ist so. Und ich sage das jetzt nicht nur, weil ich Psychologin bin, aber Reden bewirkt Wunder. Politik auf allen Ebenen muss mehr mit den Menschen reden. Die AfD macht das, CDU absolut nicht…

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